Geschichte

Wer die Geschichte der Neureuter Feuerwehr beleuchten will, muss davon ausgehen, dass bis zum 1. November 1935 zwei politisch selbständige Gemeinden (Teutsch- und Welschneureut) vorhanden waren.
Vom ersten „zivilen“ Brand erfahren wir aus einer Nachricht des Bezirksamtes Mühlburg an den Markgraf in Durlach vom 26. August 1702:

Feuersbrunst in der Colonie Neureuth (Welschneureut)

„Bei einer Untersuchung sagten sämtliche Colonisten einstimmig aus, daß Francois Crevesa’s Weib um neun Uhr gebacken hatte. Nachmittags um drei Uhr sei Cloude Haimart’s Stroh, welches er hart am Backofen liegen gehabt und vermutlich, weil dieser einen Riß gehabt, das Feuer in das Stroh gefallen,
und weil zwischen den Häusern etliche Heu- und Strohhaufen sitzen, in einem Augenblick alles in Feuer geworden und dermaßen fünf Häuser in einer Viertelstunde alles zur Asche verbrannt und alle gehabte Früchte, Heu und Stroh.

Die eingeäscherten Häuser gehörten folgenden Personen:
Francois Crevesac 1 – Reinel Mailliet 1 ½ – Claude Haimart 1
Jeuan Pierre Salee 1 ½ – zusammen 5 Häuser

Das Meiste aber hat Reinel Mailliet, der bei 30 Malter Frucht gehabt, verloren.

Daraufhin hat man bei Vermeidung hoher Strafen den Colonisten auferlegt, dass sie in jeder Baraque ein Kamin machen und das Feuerloch mit einer starken Brandmauer versehen, den Backofen aber außerhalb des Hauses und der Baraquen zu verfertigen und das Heu und Stroh nicht mehr zu nahe an die Häuser, sondern weit davon in Verwahrung aufhalten. Es sollen alle Monatsfrist die Häuser durch dafür bestellte Personen visitiert werden.

Die vorgefundenen Fehler sind dem Amt zur Vornehmung gebührender Strafen anzuzeigen.

Als Hilfe für die Brandgeschädigten, die all ihre Habe und Gut verloren und an den Bettelstab geraten, wird zur Sammlung einer Brandsteuer bei mitleidigen Personen aufgerufen. Es wäre zuvor billig, dass Crevesac’s Eheweib, als welcher durch Verwahrlosung dies Feuer zu solchem Unheil geführt, zu einem warnenden Exempel mit einer namhaften und zur Erstattung des entstandenen Schadens anzuhalten.

Weil aber solcher Brand auch ihr Hab betroffen, sie auch sonsten nichts in Vermögen hat, gleichwohl an dieser Verwahrlosung damit andere mit dem Feuer künftig fürsichtiger sein mögen, nicht ohne Straf gelassen werden kann, soll selbige wohl zweimal 24 Stunden in den Turm gesetzt werden.“

Aufgrund von Feuerlöschordnungen des Markgrafen und ab 1806 des Großherzoges waren die Gemeinden verpflichtet, eine Hilfsmannschaft (Pflichtwehr) zu rekrutieren und die entsprechenden Geräte bereitzustellen.
So kann man den alten Unterlagen entnehmen, dass die Gemeinde Teutschneureut bereits um 1780 eine fahrbare Spritze angeschafft hat. Diese wurde erst 1942 außer Dienst gestellt. Die Teutschneureuter Hilfsmannschaft
war mit ihrer Spritze am 19. Dezember 1783 bei einem Großbrand in Ettlingen eingesetzt. In den im Gemeindearchiv noch vorhandenen Gemeinderechnungen tauchen laufend Ausgaben für die Unterhaltung der Spritze und Geräte auf.

Beim Karlsruher Theaterbrand am 27. Februar 1847 war die Teutschneureuter Pflichtfeuerwehr eingesetzt. Hiervon kündet heute noch ein Dankschreiben des Großherzoglichen Hauses vom 2. März 1847, das im Gemeindearchiv
noch vorhanden ist – mit dem an sich die Neureuter Feuerwehrakten beginnen. Von 1850 bis 1895 war die Pflichtfeuerwehr Teutschneureut mehrmals in der nahen Residenz sowie in den Nachbarorten eingesetzt.
Erste tragbare Spritze 1836
In Welschneureut wurde 1836 für die Hilfsmannschaft eine kleine tragbare Spritze angeschafft. Erst 1865 konnte auf Drängen des Bezirksamtes eine fahrbare Spritze angeschafft werden. Bis dahin war man immer auf die fahrbare Spritze von Teutschneureut angewiesen.

Bereits um 1849 sowie um 1870 regte sich in Teutschneureut der Gedanke, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Der Gemeinderat lehnte dieses Ansinnen jedes Mal ab. Bei der Pflichtfeuerwehr hatte der Bürgermeister und Gemeinderat das Sagen. Die Freiwillige Feuerwehr wählte von Anbeginn an ihre Führung selbst. Bürgermeister und Gemeinderat waren außen vor.

Beim Aktenstudium fällt auf, dass die Pflichtfeuerwehr Teutschneureut gut funktioniert hat.


Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Welschneureut

Im April 1856 brannten die Scheunen der Hardtstiftung am südlichen Ende von Welschneureut. Dies war für Ratsschreiber Johann Merz der Anlass, in der kleinen Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. In seiner Sitzung vom 31. Mai 1886 beschloss der Gemeinderat Welschneureut wegen Mangel an notwendigen Finanzen von der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr abzusehen. Ratsschreiber Merz verweigerte die Unterschrift zu diesem Sitzungsprotokoll und meldete diesen Vorgang an das Bezirksamt. Dieses forderte Ratsschreiber Merz auf, einen Antrag an die Landesfeuerwehrunterstützungskasse auf Bewilligung eines Zuschusses für den Ankauf der erforderlichen Ausrüstungsgegenstände einer Freiwilligen Feuerwehr zu stellen, was dann am 5. Juli 1886 geschah.

Am 10. Oktober 1886 erging der Bescheid über eine Bewilligung von 500 Goldmark. Dies bedeutete eine weit überhöhte Beihilfe zu jener Zeit und reichte für die Erstausstattung aus, so dass keine Mittel der Gemeinde erforderlich waren. Damit war dem Gemeinderat das Fundament der Argumentation gegen die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr entzogen.

Am 24. Oktober 1886 wurde im Gasthaus „Zur Krone“ die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Welschneureut vollzogen. Die Wahl des 1. Kommandanten fiel auf Ratsschreiber Johann Merz. Stellvertreter wurde Johann Gros. Patenschaft bei der Gründung übernahm die Freiwillige Feuerwehr Knielingen. Die Statuen der Wehr wurden vom Großherzoglichen Bezirksamt am 19. März 1887 genehmigt. Der erste Verwaltungsrat bestand neben dem 1. und 2. Kommandanten aus Ludwig Beck, Johann Friedrich Merz, Johann Pfalzgraf und Jakob Schlehsack.

Kommandant und Ratsschreiber Johann Merz starb im Jahre 1910.

Vom 12. bis 14. Juni 1926 wurde das 40-jährige Jubiläum verbunden mit der Fahnenweihe begangen. Diese Fahne wurde nach dem Zusammenschluss der beiden Wehren umgestickt und befindet sich noch heute im Besitze der Wehr.
Die Fahne nach dem Zusammenschluss 1935Die Fahne nach dem Zusammenschluss 1935

1926 wurde eine zweite, allerdings gebrauchte, Handdruckspritze beschafft. Somit standen eine Kübelspritze und zwei fahrbare Handdruckspritzen zur Verfügung.

40-jähriges Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Welschneureut
Am 1. November 1935 wurde die Gemeinde Welschneureut nach Teutschneureut eingemeindet. Damit endet auch die Selbständigkeit dieser Wehr.

Die Protokoll- und Kassenbücher ließen sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr auffinden. Kommandant Ludwig Ott hat 1955 versucht, von den damals noch lebenden älteren Kameraden die Geschichte dieser Wehr zu erforschen und festzuhalten. Leider war diesem Vorhaben kein großer Erfolg beschieden. Die hier nun aufgeführten Daten über die Gründung der Wehr konnten im April 1986 im Generallandesarchiv Karlsruhe sowie im Archiv des Rathauses Neureut erforscht werden.

Die Kommandanten der Welschneureuter Wehr:
1886 – 1910 Johann Merz, Ratsschreiber
1910 – 1922 Robert Beck, Zimmermeister
1922 – 1931 Gottlob Weber, Wagnermeister
1931 – 1933 Christian Gros, Maurerpolier und Wirt
1933 – 1936 Max Motz, Bäckermeister


Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Teutschneureut


Über diese Gründung lassen wir den Chronisten Bäckermeister Gustav Baumann, der 40 Jahre lang Adjutant und Schriftführer der Wehr war, zu Wort kommen. Er schreibt am 14. Juni 1925 auf die letzten Seiten des Protokollbuches Nr. 1:

Der Freiwilligen Feuerwehr Teutschneureut zu ihrem am 14. Juni 1925 begangenen 30-jährigen Gründungsfest.

Im Januar 1895, nachdem es innerhalb von 14 Tagen dreimal hier gebrannt hatte, fanden sich auf Anregung des Großherzoglichen Bad. Bezirksamtes unter Führung des damaligen Spritzenmeisters Schmiedemeister Jakob Stern im Nebenzimmer des Gasthauses zum Waldhorn 1 Dutzend junge Männer zusammen, zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Bei dieser ersten Zusammenkunft wurden die Statuten der Nachbarwehr Welschneureut, die Stern dort geliehen hatte, verlesen. Es wurde von den Anwesenden festgestellt, dass die Statuten auch für unsere zu gründende Wehr sich eignen, und der Bäckermeister Gustav Baumann wurde mit deren Abschrift beauftragt.

Dann wurde mit der Ortsschelle bekanntgegeben, wer der Freiw. Feuerwehr beitreten will, möchte sich am 28. Januar 1895 zur Versammlung im Waldhorn einfinden.

Auf diese Bekanntmachung fanden sich 48 junge und ältere Männer ein, die der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten gedachten. Bei dieser Zusammenkunft wurde beschlossen auf Sonntag, dem 15. Februar 1895, eine Versammlung aller Gemeldeten einzuberufen.

Bei dieser Versammlung wurden die inzwischen fertiggestellten Statuten verlesen und von jedem anerkannt und mit Namensunterschrift beglaubigt. Somit war jeder auf 3 Jahre verpflichtet. Bei dieser Versammlung wurde die Wahl des Verwaltungsrates nach dem Statut vorgenommen.

Gewählt wurden:   Jakob Stern als 1. Kommandant
                               Wilhelm Gräber als Requisitenmeister
                               Jakob Nagel als Spritzenmeister
                               Wilhelm Nagel als Obmann
                               Gottlob Stober als Obmann
                               Karl Weinbrecht als Beirat
                               Wilhelm Stober als Beirat

Gustav Baumann wurde zum Adjutant ernannt.

Dieser Verwaltungsrat hat das Statut vor Einreichung an das Bezirksamt am 15. Februar 1895 unterzeichnet. Dieses Datum ist der Gründungstag der Wehr. Die Statuten kamen am 18. Februar 1895 genehmigt zurück. Somit war die Feuerwehr mit 48 Mann gegründet.

Die schlimmste Sache war die Anschaffung der Röcke und der Ausrüstungsgegenstände,
Helm, Gurt, Beil und Leinen. Die Gemeindeverwaltung wollte gar nichts wissen von einer Freiwilligen Feuerwehr. Sie lehnte jeden Betrag ab. Wir hielten uns an das Bezirksamt und auf dessen Drängen bewilligte der Gemeinderat 200 Mark Beihilfe.

Die Ausrüstung für 60 Mann kam auf 1050 Mark. Hierzu gab die Landesfeuerwehrunterstützungskasse
500 Mark. Den Rest mit 350 Mark haben wir später aus unserer Kasse bezahlt. Zur Anschaffung der Röcke haben wir das Geld bei der hiesigen Spar- und Vorschußkasse unter Bürgschaft des Verwaltungsrates geliehen und von den Kameraden ratenweise eingezogen und auch so wieder abbezahlt.

Unsere Tätigkeit war im 1. Jahr exerzieren und üben, auch oft am Sonntag.
Wir machten viele Ausmärsche, um den nicht Gedienten (Soldaten) das Exerzieren beizubringen. Den ersten Ernstfall erlebten wir schon im 2. Jahr, wo bei einem Gewitter der Blitz in die Scheune des Milchhändlers Görung einschlug und zündete, wobei das Pferd erschlagen wurde. Im weiteren
Verlauf der 30 Jahre hatten wir noch 6 Brände hier, wobei der vom Sommer 1904, bei welchem durch Blitzschlag die Scheune des Gasthauses zum Kaiser brannte, besonders erwähnenswert ist. Nach auswärts wurden wir 6 mal gerufen, 3 Mal nach Knielingen, 2 Mal nach Eggenstein und 1 Mal nach Welschneureut. So verging die Zeit bis zum Weltkrieg.

Bei demselben wurden 15 Kameraden zur Fahne eingezogen, welche alle wieder gesund zurückkehrten. Drei Kameraden sind nach dem Kriege, wahrscheinlich an dessen Folgen verstorben. Wahrend des Krieges zählte die Wehr noch 30 Mann. Es wurden nur Pflichtübungen gehalten. Zum guten Glück hat es nicht gebrannt. Erst nach dem Krieg bekam die Wehr wieder neues Leben durch Eintritt junger Mitglieder. Auch konnten wieder Festlichkeiten abgehalten werden, was zu neuem Leben führte.

Im März 1920 sollten wir für 25-jährige Dienstleistung das allgemeine Ehrenabzeichen erhalten mit Ausnahme des Kameraden Friedrich Meinzer I., welcher wegen Schwarzschlachtens eine Strafe erhalten hatte. Wir verzichteten alle auf diese Ehrung und verweigerten die Annahme, was zur Folge hatte, dass wir ein Jahr später am 18. März 1921 alle das Ehrenzeichen verliehen bekamen. 28 noch lebende Gründer erhielten diese Auszeichnung. Bis zum heutigen 30. Stiftungsfest sind wieder 5 Gründer verstorben. Bei der Gründung waren es 48 Kameraden. Hiervon sind heute noch 23 am Leben, 15 Kameraden sind gestorben, 10 sind ausgetreten. Heute zählt die Wehr 75 aktive Mitglieder und 18 Mitglieder Musik.

Teutschneureut, den 14. Juni 1925
Gustav Baumann, Adjutant

Aus dem Gemeindearchiv ist weiter ersichtlich, dass der Gemeinderat 1895 die Gründung der Wehr zu Kenntnis nahm. Hierbei wurde beschlossen, die vorhandenen Spritzen der freiwilligen Wehr zur Verfügung zu stellen. Sollte sich die Wehr jedoch auflösen, so wollte der Gemeinderat die dann vorhandenen Ausrüstungsgegenstände nicht in seinen Besitz nehmen.

1898 beschaffte die Gemeinde eine fahrbare Saug- und Druckspritze für Pferdegespann und vier Sitzen.
Diese ist heute noch im Besitz der Wehr. 1902 wurde bereits eine handgezogene mechanische Leiter
beschafft.
Fahrbare Druckspritze von 1898

1924 verstarb der Gründungskommandant Jakob Stern. Eine Kübelspritze, zwei große Fahrspritzen sowie die mechanische Leiter, die 1935 durch eine moderne neue Leiter ersetzt wurde und sich
heute im Feuerwehrmuseum in Fulda befindet, waren die Ausrüstungsgegenstände dieser Zeit.

Die Protokoll- und Kassenbücher sind vom ersten Tage an noch vorhanden.

Die Inflation sowie die große Arbeitslosigkeit war für die Führungskräfte eine harte Bewährungsprobe.

Beide Wehren der Gemeinden Welsch- und Teutschneureut wurden ihren Aufgaben immer gerecht.

Die Kommandanten der Teutschneureuter Wehr:
1895 – 1924    Jakob Stern, Schmiedemeister
1924 – 1928    Leopold Brunn, Schmiedemeister
1928 – 1936    Emil Raub, Sparkassenrechner


Freiwillige Feuerwehr Neureut

Durch die Eingliederung der Gemeinde Welschneureut nach Teutschneureut zum 1. November 1935 zur Bildung der Großgemeinde Neureut/Baden wurde auch die Vereinigung der beiden Freiwilligen Feuerwehren notwendig.
Der damalige Bürgermeister Karl Buchleither setzte die beiden Wehren und den Gemeinderat davon in Kenntnis, dass am Samstag, dem 24. April 1936, die Vereinigung stattfindet.

Zunächst wurde eine gemeinsame Übung am ehemaligen Gasthaus „Zum Lamm“ mit anschließendem Vorbeimarsch durchgeführt. Ebenso wurden die beiden Geräteräume im Gebäude des Farrenstalles hinter dem Rathaus
und im Wach- und Spritzenhaus in Neureut-Süd Ecke Haupt- und Welschneureuter Straße besichtigt. Man kam damals überein, am Bärenweg eine neue Unterkunft für die vereinigte Wehr zu errichten. Dieses Vorhaben
konnte erst 29 Jahre später verwirklicht werden. Die Vereinigungsfeier selbst fand anschließend ebenfalls im „Lamm“ statt. Hierzu waren als Gäste neben Bürgermeister Karl Buchleither und seinem Gemeinderat, Herr Landrat Dr. Wintermantel, der Kreisfeuerwehrführer Bull aus Durlach sowie Herr Branddirektor Wilke von der Berufsfeuerwehr Karlsruhe anwesend. Zum Kommandanten der vereinigten Wehr wurde Emil Raub, Sparkassenrechner, und als dessen Stellvertreter Bäckermeister Max Motz bestellt. Durch die Anwendung des Reichsfeuerlöschgesetzes schied Emil Raub altersbedingt bereits im Herbst 1936 aus dem aktiven Dienst aus.

Die Wehr beim Antreten um 1930
In einer außerordentlichen Wehrversammlung am 20. August 1936 wurde Max Motz zum Kommandanten und zu seinem Stellvertreter Kannenwirt Wilhelm Wohlwend gewählt. Dies waren die letzten Wahlen bis 1948. Ab diesem Zeitpunkt wurde nur noch bestimmt.

Im September 1936 wurde folgender Führerrat vom Kommandanten ernannt:
                     Hauptbrandmeister Max Motz, Kommandant
                     Oberbrandmeister Wilhelm Wohlwend, stellv. Kommandant
                     Oberbrandmeister Eugen Motz, (Bäckermeister)
                     Oberlöschmeister Karl Meinzer, (Metzgermeister), Gerätewart
                     Jakob Ehrmann, Kassier und Schriftführer

In den Verwaltungsrat wurden berufen:

Löschzug I, ehemals Teutschneureut:
                    Brandmeister Gottlob Motz, (Lammwirt)
                    Oberlöschmeister Wilhelm Nagel, (Bahnhofwirt)
                    Löschmeister Friedrich Weinbrecht
                    Löschmeister Jakob Weick
                    Löschmeister Wilhelm Bauer

Löschzug II, ehemals Welschneureut:
                   Brandmeister Emil Dunke
                   Oberlöschmeister Karl Weber (Schmiede- u. Wagnermeister)
                   Löschmeister Fritz Crocoll
                   Löschmeister Emil Crocoll
                   Zug- u. Gerätewart Emil Pfulb

Protokolle aus jener Zeit künden von schlechter Ausrüstung und schwieriger Wasserversorgung; denn zur Löschwasserentnahme standen nur die üblichen Hausbrunnen zur Verfügung.

Der Brand eines Schopfes am 11. Oktober 1938 zeugt von der schlechten Situation. Der damalige Schriftführer Jakob Ehrmann hielt folgendes fest: „Die Feuerwehr war bald mit 3 Spritzen zur Stelle, hatte aber die ganze Zeit Wassermangel. An Zuschauern hat es nicht gefehlt. Aber nur wenige beteiligten sich am Wassertragen, was früher eine Selbstverständlichkeit war. Nach 20 Minuten hatten die Brunnen in der ganzen Nachbarschaft nichts mehr hergegeben.“ Nach diesem Vorfall verlangte Kreisfeuerwehrführer Walther aus Durlach, dass entsprechende Feuerwehrbrunnen gebaut und eine Motorspritze gekauft werden müsse.

Ein weiteres Beispiel, das die schlechte Situation der Feuerwehr in jener Zeit widerspiegelt, war die Veranstaltung eines „Polizeitages“. Die Feuerwehr war zwischenzeitlich im Vorfeld des Krieges als Hilfspolizei eingestuft
worden. Die Wehrführung lehnte Vorführungen ab, da mit den vorhandenen Geräten „kein Staat zu treiben und jüngere Leute mit diesen nicht zum Dienst in der Feuerwehr zu animieren“ seien.

1939 und 1940 wurden im Zuge der Einrichtung des Luftschutzes 6 Löschbrunnen gebaut. Diese sind heute noch vorhanden.

1942 und 1944 konnte die Feuerwehr in Neureut mit 2 Tragkraftspritzen einschließlich Anhänger ausgestattet werden.

Bereits 1941 bestellte die Gemeinde ein leichteres Löschfahrzeug. Diese Order wurde 1942 in ein „schweres Löschfahrzeug“ korrigiert. Neureut war zwischenzeitlich mit der Stadt Karlsruhe zur Luftschutzzone I erklärt
worden. Die Gemeinde opferte seinerzeit u. a. die Steuerdrähte der Straßenbeleuchtung sowie Umfassungsgitter an den beiden Kriegerdenkmäler, um das für den Kauf erforderliche Altmaterial zu erbringen. Da die Herstellerfirmen 1943 durch Kriegseinwirkungen zerstört wurden – das für Neureut bestimmte Fahrzeug verbrannte auf dem Hof einer Karlsruher Firma – konnte kein Fahrzeug mehr ausgeliefert werden.

Bereits 1942 wurde die Wehr nach Fliegerangriffen überörtlich eingesetzt. Karlsruhe, Mannheim, Staffort, Pforzheim und Bruchsal waren die Orte, in welchen die Neureuter Wehrmänner mit ihrer neuen Motorspritze zum Einsatz kamen. Die Mannschaft wurde wegen des fehlenden Löschfahrzeuges auf dem offenen LKW des Unternehmers Walter Piper transportiert. Ab 1942 musste bei jedem Fliegeralarm eine vier Mann starke Feuerwache am Rathaus vorhanden sein.

In der Nacht vom 24./25. April 1944 trat zum ersten Mal das ein, was viele Einwohner befürchtet hatten. Die Gemeinde wurde bei einem nächtlichen Luftangriff von Spreng- und Brandbomben getroffen. Dasselbe wiederholte sich am 5. und 27. September und 4. Dezember 1944 sowie am 3. Februar 1945. Schwer wurde die Gemeinde durch Granaten getroffen. Die Wehr musste hier vor allem im Geviert um die Nordkirche sowie in der unteren Hauptstraße im „Zinken“ tätig werden.

Im Februar 1945 wurde der Löschzug I (Teutschneureut) selbst obdachlos. Die Feuerwehr wurde in jener Nacht vom 2./3. Februar 1945 nach Staffort gerufen. Ohne zu ahnen, dass im Rathaushof eine Zeitzünderbombe eingeschlagen hatte, wurde die Motorspritze an den LKW angehängt und weggefahren.
Als sie nach 12 Stunden Einsatz nach Hause kam, hatte sie selbst keine Unterkunft mehr.

Gefallen sind im Zweiten Weltkrieg die Kameraden Wilhelm Gros, Friedrich Meinzer, Emil Beck und Jakob Marsch.

Bei einem Brand von 2 Scheunen am Himmelfahrtstag 1945 durfte die Wehr nicht ausrücken.

Im Juli 1945 wurde das bisherige Kommando einschließlich Führerrat wegen der Parteizugehörigkeit abgesetzt. Gleichzeitig setzte Bürgermeister Klotz den Löschmeister Friedrich Crocoll zum Kommandanten und Löschmeister Emil Grether zu dessen Stellvertreter ein. Am 6. März 1946 fand die erste Versammlung nach dem Kriege in der „Krone“ statt. 57 Kameraden waren anwesend und erklärten, dass sie den Feuerwehrdienst weiter versehen wollten. Es war ein hartes Beginnen. Uniformen, Ausrüstungsgegenstände, Schläuche waren nicht zu erhalten. Feuerwehrkameraden, welche aus Krieg und Gefangenschaft nach Hause kamen, quittierten den Dienst und junge Menschen waren für den Feuerwehrdienst nicht zu erwärmen.

1949 wurden wegen der fehlenden Wasserversorgung drei weitere Löschbrunnen gebaut. 1951/52 wurde in Neureut die zentrale Wasserversorgung mit eigenem Pumpwerk im Hardtwald errichtet. Eine große Erleichterung
für die Wehr! Konnte doch nun das Löschwasser aus den Hydranten entnommen werden. 1949 konnte der Löschzug I im wieder aufgebauten Farrenstall sein neues Domizil übernehmen.

Im Januar 1952 gab Friedrich Crocoll die Führung der Wehr ab. Ludwig Ott wurde in geheimer Wahl zu seinem Nachfolger gewählt. Die Stellvertretung versah weiter Emil Grether. Gleichzeitig wurden auch die Zugführer neu bestimmt mit dem Novum, dass ein III. Zug aus dem Bereich der neu erbauten Kirchfeldsiedlung gebildet wurde. Durch das gute Einfühlungsvermögen von Ludwig Ott war es bald möglich, eine „Jung-Mannschaft“ aufzustellen. Sorge bereitete regelmäßig die Einkleidung. Bürgermeister Adolf Ehrmann sprach deshalb oft von der „Partisanen-Feuerwehr“.

Transport der Rohrwagenmannschaft 1955

LF 8 von 1954























Fahrzeuge 1965

1960 wurde die bisherige Pflicht-Wasserwehr durch Gesetz aufgehoben und deren Aufgaben der Feuerwehr übertragen.
Im Januar 1962 treten Kommandant Ludwig Ott und sein Stellvertreter Emil Grether alters- und krankheitshalber zurück.
Horst Sattler und Günter Weber, beide noch keine 28 Jahre alt, wurden am 5. Januar 1962 in geheimer Wahl gewählt und vom Gemeinderat bestätigt.

  Horst Sattler 1962      Günter Weber 1962

Kommandant Sattler war von 1963 bis 1975 Unterkreisführer und von 1967 bis 1975 stellv. Kreisbrandmeister. 1968/69 musste er wegen des seinerzeitigen plötzlichen Todes von Kreisbrandmeister Link die Geschäfte des Kreisbrandmeisters führen. Diese Ämter mussten nach der Zugehörigkeit zu Karlsruhe abgegeben werden. Von 1969 bis 2001 gehörte er auch dem Vorstand des Landesfeuerwehrverbandes an und bekleidete das Amt des Fachgebietsleiters „Sozialwesen“ mit seinen vielfältigen Aufgaben.


Übergabe der Funk-Zentrale 1970
1969 waren alle Wege geebnet, sodass der Funk und die Funk-Alarmierung eingeführt werden konnte.
Mitten im Aufbau platzte die Gemeindereform herein. Gegen den eindeutig erklärten Willen der Bevölkerung wurde durch Gesetz des Landtages, das im Falle Neureut nur mit vier Stimmen Mehrheit durchging, sowie durch Urteil des Staatsgerichtshofes Baden-Württemberg vom 14. Februar 1975 die Gemeinde Neureut aufgelöst und in die Stadt Karlsruhe eingegliedert. Vorangegangen waren harte Kämpfe um den Erhalt der Selbständigkeit, bei welchem die Neureuter Wehr nicht Abseits stand. Gemeinderat, Bürgermeister und Gemeindeverwaltung waren immer bestrebt, „ihre“ Wehr den Erfordernissen entsprechend auszurüsten. In relativ kurzer Zeit hatte die Wehr einen modernen Fuhrpark erhalten.

Der Löschzug in den 1970ern
Fahrzeuge 1972

Die Kommandanten der Wehr:               Die stellv. Kommandanten:
1936             Emil Raub                                          1936            Max Motz
1936 – 1945 Max Motz                                          1936 - 1941 Wilhelm Wohlwend
1945 – 1952 Friedrich Crocoll                               1941 - 1945 Gottlob Motz
1952 – 1962 Ludwig Ott                                        1945 - 1962 Emil Grether
1962 – 1975 Horst Sattler                                      1962 - 1975 Günter Weber

                                         Die Zugführer der Wehr
Löschzug I – Neureut-Nord                   Löschzug II – Neureut-Süd
1936 – 1941 Gottlob Motz                                    1936 – 1945 Eugen Motz
1941 – 1945 Wilhelm Bauer                                 1945 – 1962 Karl Weber
1945 – 1962 Karl Meinzer                                    1962 – 1975 Artur Gros
1962 – 1975 Rolf Ulrich

                                          Löschzug III – Neureut-Kirchfeld
                                          1952 – 1967 Peter Kuhn

Bis 1963 waren die Züge gemäß den Ortsteilen aufgestellt. Ab 1963 wurden gleichaltrige Kameraden aus allen Ortsteilen in einer Gruppe zur Ausbildung zusammengenommen. Dies hat sich bewährt und ist bis heute noch so. Damit hat das Ortsteildenken aufgehört. Die Gruppen erhielten Nummern und so gehörten die Gruppen mit ungerader Zahl zum 1. Zug, die mit gerader Zahl zum 2. Zug.


Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe, Abteilung Neureut

Als Folge der Zwangseingliederung der Gemeinde Neureut in die Stadt Karlsruhe verlor auch die Feuerwehr ihre Selbständigkeit und wurde eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Karlsruhe.

In der Vereinbarung über die Rechtsfolgen der Eingliederung der Gemeinde Neureut in die Stadt Karlsruhe vom 10. April 1975 wurde festgelegt, dass für mindestens 50 Jahre die Ortschaftsverfassung gilt und auch solange eine örtliche Verwaltung im Rathaus Neureut verbleibt. Ebenso verpflichtet sich hierbei die Stadt Karlsruhe, dass die Abteilung Neureut der Freiwilligen Feuerwehr Karlsruhe auch in Zukunft nach dem jeweils neuesten technischen Stand mit Geräten und Material ausgerüstet ist.

Für viele Kameraden war die Entscheidung des Landtages wie ein Schlag ins Gesicht. Sie konnten nicht verstehen, dass man den Bürgerwillen so missachtet und die Demokratie mit Füßen tritt. Ein großer Teil der Kameraden
wollte den Dienst quittieren, denn man konnte sich mit der neuen Gebietskörperschaft, der Stadt Karlsruhe, nicht identifizieren. Für die Führung war es ein hartes Stück Arbeit, die Kameraden bei der Stange zu halten. Nur wenige sprangen ab.

Am 28. April 1975 fand eine außerordentliche Wehrversammlung statt, bei der Kreisbrandmeister Wolf als Vertreter des Landkreises den herzlichen Dank für die bisherige Arbeit aussprach. Von der Stadt Karlsruhe war Bürgermeister Jahn sowie Oberbranddirektor Farrenkopf mit seinem Führungsstab zugegen und von der Ortsverwaltung Neureut Bürgermeister i. R. Ortsvorsteher Hermann Meinzer anwesend. Man versuchte, an diesem Abend in Bezug auf die Kompetenzen auf einen Nenner zu kommen, was nicht gelang, denn die meisten Neureuter Kameraden hatten bereits die Erfahrung machen müssen: „Was gestern noch galt und Bestand hatte, wurde heute in Frage gestellt“. Durch Ungeschicklichkeiten im Karlsruher Rathaus wurde die Trotz-Reaktion der Neureuter entfacht. Hieß es zunächst „mit mir nicht mehr“, so wandelte sich dies in ein „jetzt erst recht“.

Im Jahr 1976 wurde das 90-jährige Jubiläum in großem Rahmen gefeiert.

Auf den 30. April 1985 schied Bürgermeister i. R. Hermann Meinzer aus dem Amt aus. In Anbetracht seiner Verdienste um die Wehr wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Bei der Überreichung der Urkunde erwähnte Kommandant Horst Sattler, es sei bisher einmalig in der Geschichte der Wehr, dass es 20 Jahre lang kein Wechsel in der Rathausspitze als auch im Kommando der Wehr gegeben hat. Als Nachfolger wurde Hauptamtsleiter Karlheinz Ehrmann gewählt. Nur eine sehr kurze Amtszeit blieb ihm vorbehalten. Am 17. April 1986 verstarb er infolge Herzversagens. Am 21. April 1986 begleitete ihn die Wehr zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Neureuter Hauptfriedhof. In der kurzen Zeit konnte ihn die Wehr als treuen Sachwalter kennen und schätzen lernen.

Anfang Juli 1986 wurde in großem Rahmen das 100-jährige Jubiläum sowie 20 Jahre Jugendfeuerwehr begangen. 88 Feuerwehren waren zu Gast in Neureut. Die Ortschaft Neureut wurde vertreten durch den stellv. Ortsvorsteher
Prof. Hans Müller. Die Stadt Karlsruhe wurde vertreten durch den neu gewählten Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerhard Seiler.

Am 13. September 1986 konnte der stellv. Ortsvorsteher Prof. Hans Müller das umgebaute und erweiterte Feuerwehrgerätehaus im Beisein des Brandschutzdezernenten, Herr Bürgermeister Eidenmüller, übergeben.

Am 1. Oktober 1986 trat der neu gewählte Ortsvorsteher Herr Günter Seith sein Amt an. Die Wehr stellte ihm den sogenannten „Maien“.

Feuerwehrgerätehaus nach Umbau 1986
Fahrzeuge 1986

In der Wehrversammlung im Januar 1987 stand an der Spitze der Wehr ein Generationswechsel an. Günther Weber – seit 25 Jahren stellvertretender Kommandant – lehnte eine Wiederwahl ab. An seine Stelle trat Siegbert Kohl dieses Amt an.

Im gleichen Jahr wurden die Zugführer Rolf Ulrich und Artur Gros durch Klaus Führinger und Günter Schuldt ersetzt. Auch Kassier Hermann Stolz legte sein Amt nach 29 Jahren nieder. Harald Nagel trat seine Nachfolge an. Somit verblieb von der alten Führungsriege nur Kommandant Horst Sattler im Amt.

Seit dem Sommer 1987 ist die Wehr bis heute in der warmen Jahreszeit für die Ortsverwaltung im Einsatz um frisch gepflanzte Bäume zu bewässern, die sonst über den Sommer vertrocknen würden. Dank der Feuerwehr bleibt der Ortsverwaltung seither ein großes Problem erspart, da sie nicht über geeignete Tankfahrzeuge verfügt, um diese Arbeit selbst zu übernehmen.

Am 17. Januar 1988 konnte die Neureuter Feuerwehr die katholische Kirche St. Heinrich und Kunigunde knapp vor einer Katastrophe bewahren: Im Altarraum des Kirchenschiffs war der Weihnachtsbaum in Brand geraten. Durch den schnellen Einsatz der Wehr wurde nur der Baum selbst ein Raub der Flammen, doch ein größerer Schaden am Kirchengebäude wurde verhindert.

Neben vielen Einsätzen konnte 1988 auch eine Fahrzeugübergabe gefeiert werden. Als Ersatzbeschaffung konnte ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 16 in Dienst gestellt werden, nachdem bereits im Jahre 1983 das Tanklöschfahrzeug TLF 16 ersetzt wurde.

Fahrzeugübergabe LF 16 1988
1988 wurde auch erstmals der Teich des Vogelparks umgepumpt und dadurch belüftet. Dies ist ein Einsatz für die Umwelt – wie das Bäume bewässern. Das stehende Gewässer verfügt über keinen natürlichen Zufluss und hat deswegen Probleme mit seinem Sauerstoffhaushalt. Durch ihren Einsatz verhinderte die Wehr, dass die Fische im Teich qualvoll verenden mussten.

Ein unschöner Einsatz beschäftigte die Kameraden im Frühsommer 1989. Es galt, im Heidesee eine vermisste Person aufzufinden – und im Anschluss leider nur noch deren Leiche zu bergen. Immer wieder ist diese traurige Arbeit am Heidesee Aufgabe der Wehr, zuletzt im März 2009, als ein Insasse der Psychiatrie auf Ausgang den Freitod im Wasser suchte.

Sicherlich eine der schlimmsten Erinnerungen für viele Kameraden ist der 12. November 1989. Der stellvertretende Kommandant, Kamerad Siegbert Kohl, wurde im Einsatz schwer verletzt. Was war geschehen? Beim zwei-
gleisigen Ausbau der Bahnlinie im Ort wurde durch die Bauarbeiten ein Starkstromkabel beschädigt, wodurch es zu Lichtbögen und Funkenbildung kam. Besorgte Anwohner alarmierten die Feuerwehr. Nachdem die Leitung freigeschaltet war, ging der gelernte Elektriker Siegbert Kohl zur Erkundung vor. Kurz darauf löste eine vorbeifahrende Straßenbahn trotz der Freischaltung einen weiteren Lichtbogen aus, der Kamerad Kohl traf. Zum Glück erlitt er durch diesen massiven Stromschlag keine bleibenden Verletzungen und steht bis heute mit ungebremstem Einsatz für die Wehr bereit.

Ein viel beachteter Einsatz der gesamten Karlsruher Feuerwehr fand am 17. April 1990 statt. Über dem Stadtgebiet waren zwei kanadische Kampfjets kollidiert und brennende Trümmerteile waren an vielen Orten nieder-
gegangen. Die Kameraden der Abteilung Neureut waren allerdings nicht bei dem Absturz selbst im Einsatz, sondern besetzten ihre Fahrzeuge und standen für weitere Einsätze in Karlsruhe bereit, da alle Kräfte der Berufsfeuerwehr
gebunden waren. Diese wichtige Aufgabe übernimmt die Neureuter Feuerwehr bis heute regelmäßig immer dann, wenn durch größere Einsätze in der Stadt die Feuerwachen leer stehen.

Weitere Einsatzbereitschaft für die Sicherheit der Karlsruher Bürger war zuletzt am 11. April 2011 gefordert, als die Berufsfeuerwehr, sowie mehrere Freiwillige Feuerwehren, über längere Zeit einen Großbrand in Grünwinkel bekämpften. Während dieses Brandes wurden durch den Neureuter Löschzug drei parallel anfallende Einsätze im ganzen Stadtgebiet abgearbeitet.

Doch von gegenwärtigen Situationsbeschreibungen nun wieder zurück zur Chronik.
Im Jahre 1992 konnte die Wehr gleich zwei „Neuzugänge“ begrüßen. Im Rahmen der Leistungsschau konnten ein neuer Mannschaftstransportwagen und ein Schlauchtransportwagen für die Schlauchwerkstatt übergeben werden.

Verleihung Bundesverdienstkreuz am Band an Horst Sattler 1992Ebenfalls 1992 wurde dem „Kopf“ der Neureuter Feuerwehr eine große Ehre zu Teil. Der langjährige  Feuerwehrkommandant und heutige Ehrenkommandant Horst Sattler bekam für seine besonderen Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Band verliehen.

Im Juli 1996 konnte die Neureuter Feuerwehr dann ihr 110-jähriges Jubiläum feiern, die Jugendfeuerwehr feierte ihr 30-jähriges.

Ende des Jahres 1996 beschloss der Ausschuss zudem, dass nun auch Mädchen und Frauen in die Wehr aufgenommen werden können.

Doch weitere größere Umwälzungen standen 1997 an, welches in vielerlei Hinsicht einen großen Wendepunkt für die Feuerwehr Neureut bedeutete.

Zu Beginn des Jahres konnte am 3. Februar 1997 die alte Drehleiter durch eine neue DLK 23/12 von Metz ersetzt werden. Die Ersatzbeschaffung wurde dringend erwartet, da die alte Drehleiter auf Grund ihres Alters immer öfter den Dienst versagte. Sie verbringt bis heute ihren verdienten Ruhestand im Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda.

Der 3. März des Jahres 1997 markierte dann das Ende einer Ära. Kommandant Sattler beendete aus Altersgründen nach 35 Jahren als Kommandant seine Tätigkeit an der Spitze der Wehr. Kamerad Dieter Herbold wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Da der bisherige stellvertretende Kommandant Siegbert Kohl aus beruflichen Gründen ebenfalls sein Amt niederlegen musste, wurde Frank Merz sein Nachfolger.

Fahrzeuge 1993
Im Rahmen eines Ehrenabends wurde Kamerad Horst Sattler am 11. April in Würdigung seiner außergewöhnlichen Leistungen für die Wehr im Beisein von über 400 Gästen zum Ehrenmitglied und Ehrenkommandant der Freiw. Feuerwehr Neureut ernannt. Bis zum heutigen Tag hat er jedoch wenig von seiner Tatkraft eingebüßt und steht der Wehr als Altersobmann jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.

Auch im Blick auf die anfallenden Einsätze war das Jahr 1997 ein außergewöhnliches.

Am 16. Februar 1997 kam es im Sägespäne-Silo eines holzverarbeitenden Betriebes zu einem Brand, worauf hin das Silo in aufwendiger Handarbeit geleert und die Späne abgelöscht werden mussten. Das gleiche Silo brannte am 6. Dezember 1998 erneut, wiederum ein langwieriger Einsatz.

Im Juni 1997 wurde das TLF aus einer Übung der Ausbildungsgruppe heraus zu einem „PKW-Brand“ alarmiert. Als sich der Rauch verzog, fanden sie ein unbeschreibliches Bild vor. Der damalige Einsatzleiter und der Feuerwehrseelsorger entschieden sich, eine Einsatznachsorge nach dem damals neuen „Critical Incident Stress Management“ durchzuführen. Noch während des Treffens mit den am Einsatz beteiligten Kameraden alarmierte die Kripo erneut zum Einsatzort, weil sich dort Humangewebe wiederentzündet hatte. Nach diesem Einsatz erhielten die Kameraden ein „Debriefing“ über mehrere Abende. Fünf Tage später fuhr die Wehr einen fast identischen Einsatz an gleicher Stelle, nur dass dieses Mal der Kommandant und erfahrenere Kameraden ausrückten. Sie hatten das Glück, sich auf der Anfahrt mit dem Gedanken vertraut machen zu können, dass es sich um ein ähnliches Ereignis handeln könnte. Schwere posttraumatische Belastungsreaktionen sind nicht bekannt geworden und seitdem geht man in der Abteilung mit Belastungssituationen sehr viel offener um.

Ihren ersten großen Einsatz erlebte die neue Drehleiter am 24. Mai 1997. Die DLK wurde nach Friedrichstal zum Brand der „Friedrichstaler Mühle“ entsandt. Die dort eingesetzten Wehren wurden von unserer Mannschaft und der DLK zwei Tage lang unterstützt. Solche Einsätze im Landkreis waren und sind für die Neureuter Wehr keine Seltenheit. Bereits die erste Drehleiter kam des öfteren in den Nachbargemeinden zum Einsatz, hatte sie doch der Landkreis mitfinanziert. Auf der Nördlichen Hardt war die Leiter lange Zeit das einzige Hubrettungsfahrzeug und somit bei vielen Gelegenheiten ein gefragtes Einsatzmittel. Die gute Zusammenarbeit mit den benachbarten Feuerwehren zeigt sich auch heute noch. Obwohl Neureut schon lange kein Teil des Landkreises mehr ist, kommt die Neureuter Drehleiter immer dann zum Einsatz, wenn das Linkenheimer Fahrzeug wegen Wartungsarbeiten nicht zur Verfügung steht und eine Drehleiter benötigt wird.

Fahrzeuge 1997
Zuletzt konnte 1997 im Tiefgestade Am Junkertschritt die Lagerhalle fertig gestellt werden. Dies geschah über zwei Jahre hinweg hauptsächlich in Eigenleistung der Wehr. Im „Zweiten Feuerwehrhaus“ lagert Material, das bei Einsätzen nicht direkt benötigt wird, so die Hofüberdachung für das Straßenfest oder die Zelte und Feldbetten der Jugendfeuerwehr.

Lagerhalle, fertiggestellt 1997
Kurz vor der Jahrtausendwende hielt der Sturm „Lothar“ auch die Neureuter Feuerwehr in Atem. Vom 26. Dezember 1997 an waren die Kameraden mehrere Tage pausenlos im Einsatz um die enormen Sturmschäden zu beseitigen, die auch vor dem Karlsruher Raum nicht haltgemacht hatten. An hunderten einzelner Einsatzstellen galt es Straßen wieder passierbar zu machen, abgedeckte Dächer notdürftig zu sichern oder umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Auch das neue Jahrtausend begann für die Wehr ereignisreich. Am 26. Februar 2000 kam der Neureuter Löschzug bei einem Großbrand in einer Teppich- und Farbenfirma in der Karlsruher Daimlerstraße zum Einsatz. Austretendes Erdgas führte bei diesem Einsatz zwischenzeitlich zum Abbruch der Löschmaßnahmen, da sonst eine zu große Gefährdung für die Wehrleute bestanden hätte.

Zu einer großen Gefährdung durch explodierende Gasflaschen kam es beim Brand einer Lagerhalle am 2. Juni 2000 „Im Kleinen Bruch“. Die Kameraden mussten aus der Deckung heraus mit großem Abstand löschen um vor den immer wieder lautstark zerknallenden Gasflaschen geschützt zu sein.

Zum Ende des Jahres 2000, in der Nacht zum 2. November, brannte dann ein Anbau der Reithalle im Tiefgestade. Durch einen massiven Löscheinsatz konnte das Feuer auf den Anbau, in dem Strohballen gelagert waren, begrenzt und somit die Reithalle samt allen Pferden gerettet werden.

Auf der Jahreshauptversammlung 2002 wurde die 1997 neu gewählte Führung im Amt bestätigt. Lediglich Zugführer Günter Schuldt gab sein Amt ab und wurde durch Oliver Dolinsky ersetzt.

Zum Brand einer Scheune An der Trift wurde die Wehr am 10. Dezember 2003 gerufen. Der fast 10-stündige Einsatz wurde durch in der eisigen Kälte gefrierendes Löschwasser erschwert.

Scheunenbrand "An der Trift" 2003
Über mehrere Tage im Einsatz war die Neureuter Feuerwehr ab dem 10. März 2004 beim Großbrand einer Lagerhalle eines Reifenherstellers in Philippsburg.

Aus der ganzen Region wurden die Einsatzkräfte zusammengezogen, so auch der Neureuter Schlauchwagen und im späteren Verlauf die Drehleiter.

Zum 1. Dezember 2004 schied Ortsvorsteher Günter Seith aus dem Amt. Zu seinem Nachfolger wurde Hauptamtsleiter Jürgen Stober gewählt. Günter Seith wurde in Anbetracht seiner Verdienste um die Wehr zum Ehrenmitglied ernannt.

Wiederum der Schlauchwagen und die Drehleiter aus Neureut kamen beim Brand einer Lagerhalle im Karlsruher Rheinhafen am 31. Dezember 2005 zum Einsatz um die Kameraden der Berufsfeuerwehr und weitere freiwillige Abteilungen zu unterstützen.

Ein ganz besonderes Gerät wurde der Wehr am 10. Januar 2006 durch Bürgermeister Siegfried König und Branddirektor Klaus Maurer übergeben. Die Abteilung Neureut konnte die erste Wärmebildkamera bei einer Freiwilligen Feuerwehr in Karlsruhe in Dienst stellen. Dieses Gerät ermöglicht neben vielen anderen Einsatzmöglichkeiten insbesondere die Orientierung in verrauchten Bereichen um Menschen im Rauch schneller finden zu können und stellt somit eine wichtige Ergänzung der Ausrüstung dar.

Übergabe der Wärmebildkamera 2006
Gleich zum Einsatz kam das neue Gerät am 31. März 2006 beim Brand einer Scheune im Hinterhof eines Wohnhauses an der Neureuter Hauptstraße. Gemeinsam mit einem Löschzug der Berufsfeuerwehr gelang es den Wehrleuten, das Feuer auf die Scheune zu begrenzen und die dicht angrenzenden Gebäude vor den Flammen zu retten. Die dichte Bebauung in den Hinterhöfen an der Neureuter Hauptstraße stellt die Wehr bei Einsätzen immer wieder vor Probleme, da der unübersichtliche Bereich mit Großfahrzeugen nicht zu erreichen ist und die teilweise durchgehend gebauten Scheunen eine schnelle Brandausbreitung begünstigen.

Erneut in den Karlsruher Rheinhafen wurde die Wehr am 30. Mai 2006 gerufen. In einer Lagerhalle, mit Kohlebriketts gefüllt, war es zum Brand gekommen. Bei diesem Einsatz, bei dem bis zu 180 Feuerwehrleute gleichzeitig im Einsatz waren, kam die Neureuter Feuerwehr nicht nur mit allen Fahrzeugen zum Einsatz sondern stellte auch in Eigenregie Getränke sowie mehrere hundert belegte Brötchen zur Verpflegung der eingesetzten Kräfte bereit.

Am 30. September 2006 wurde anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Feuerwehr Neureut eine Sonderausstellung im Heimathaus über die Wehr eröffnet. Das Jubiläum wurde durch die Wehr mit einer erweiterten Leistungsschau rund um das Feuerwehrhaus gefeiert.

Die bewährte Führungsriege um Kommandant Dieter Herbold wurde am 26. Januar 2007 durch die Hauptversammlung der Wehr auf weitere fünf Jahre wiedergewählt.

Ein neues Fahrzeug konnte am 31. Mai 2008 auf dem Karlsruher Übergabe MTW 2008Marktplatz in Empfang genommen werden. Der Mannschaftstransportwagen (MTW) wurde durch ein neues Fahrzeug auf Mercedes Sprinter Basis ersetzt.

Im Jahre 2009 konnte die Wehr eine alte Tradition wiederbeleben. Zum ersten Male seit vielen Jahren wurde wieder ein Maibaum vor dem Neureuter Rathaus aufgestellt.

Zum Beginn des Jahres 2010 schied Zugführer Klaus Führinger auf Grund beruflicher Veränderungen aus dem Amt. Seine Nachfolge trat Kamerad Ralf Bleich an.

In der Nacht auf den 13. November 2010 wurde zunächst der Schlauchwagen und kurz darauf der Löschzug Neureut zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr in den Karlsruher Zoo alarmiert. Dort stand der Streichelzoo in Flammen und das Feuer drohte auf das Elefantenhaus überzugreifen. Da es im Zoo keine Hydranten
gibt war es zunächst Aufgabe der Wehr, eine Löschwasserversorgung aus dem Zoosee herzustellen. Im Anschluss konnte die Brandbekämpfung aufgenommen werden, wodurch das Elefantenhaus gerettet werden konnte.

Löschzug 2011

Löschzug 2011




















Nunmehr, im Jubiläumsjahr 2011, stehen der Neureuter Feuerwehr neben den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest weitere Veränderungen ins Haus. Am 5. März 2011 konnten durch Herrn Bürgermeister Stapf die zwei neuen Löschfahrzeuge übergeben werden, die das LF 8, TLF 16 und den RW 2 ersetzen. Als Ersatz für den Schlauchwagen steht der Wehr in Zukunft auch ein Abrollbehälter Wasserförderung samt zugehörigem Wechselladerfahrzeug
zur Verfügung. Die Abteilung Neureut ist damit die einzige Freiwillige Feuerwehr in Karlsruhe, die mit dem Wechselladersystem ausgestattet ist.

Durch die Neubeschaffungen konnten Fahrzeuge im Gesamtalter von über 120 Jahren ersetzt werden. Den 102 Kameradinnen und Kameraden der Einsatzabteilung steht damit modernste Technik zur Verfügung, um den Bürgerinnen und Bürgern auch in Zukunft professionelle Hilfe im Notfall zur Verfügung zu stellen. Zur Zeit bereiten sich 34 Angehörige der Jugendfeuerwehr auf den Einsatzdienst vor, und in der Altersabteilung erfüllen 36 Kameraden viele Aufgaben abseits des Einsatzdienstes.

Die Gesamtwehr umfasst also insgesamt 172 Kameradinnen und Kameraden und ist somit mit Abstand die größte freiwillige Abteilung der Feuerwehr Karlsruhe.

Doch auch nach Abschluss des 125-jährigen Jubiläums geht es bewegt weiter. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau einer neuen Fahrzeughalle im Bauhof begonnen werden um dort den Abrollbehälter-Wasserförderung unterzubringen und Möglichkeiten zu schaffen, das Wechselladersystem weiter auszubauen.

Im Jahr 2012 musste dann ein neuer Kommandant gefunden werden, da Kamerad Dieter Herbold aus Altersgründen nicht noch einmal wiedergewählt werden konnte.

Führung der Freiwilligen Feuerwehr Karlsruhe, Abteilung Neureut

              Abteilungskommandant                        Stellvertreter:
              1975 - 1987 Horst Sattler                         Günther Weber
              1987 - 1997 Horst Sattler                         Siegbert Kohl
            
  1997 - 2012 Dieter Herbold                     Frank Merz
          
    2012 - heute Harald Nagel                       Ralf Bleich

Quelle:
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neureut, Festschrift zum Jubiläum im Jahr 2011

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